The Daumier Register Digital Work Catalogue
Daumier Register 21.03.2019 Kontakt
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EINFÜHRUNG IN DAS WERKVERZEICHNIS DER ÖLGEMÄLDE


Mit dem interaktiven online-Werkverzeichnis zu Daumiers Ölgemälden liegt hiermit der dritte Teil des fünfteiligen Daumier Registers vor, welches Daumiers gesamtes Oeuvre in neuer Form über das Internet zugänglich macht. Die ersten beiden Teile - 4'000 Lithographien und 1'000 Holzschnitte - wurden bereits vor einigen Jahren der stetig wachsenden Daumier Gemeinde auf dem Internet zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig liefert eine separate website, www.daumier.org , alle relevanten Daten und Informationen zu Daumiers Leben und Werk. Diese werden laufend aktualisiert  und auf den neuesten Stand gebracht.

Das hier vorliegende Werkverzeichnis zu Daumiers Ölgemälden richtet sich wie auch bereits die beiden ersten Teile an Sammler, Museumskuratoren, Lehrer und Studenten. Dieser neue Teil wurde in die bestehende Struktur integriert, sodass die Suchfunktionen wie bisher benützt und miteinander kombiniert werden können. Neu sind einige Gemälde-spezifische Aspekte hinzugefügt worden, die dazu beitragen sollen, das Verständnis für die Zusammenhänge zwischen dem gedruckten und dem gemalten Werk zu vertiefen.

Nachdem frühere Autoren wie A. Alexandre und K.E. Maison die zeitliche Verbindung zwischen Lithographien und Ölgemälden abgelehnt hatten, sind diese in vielen Fällen für beide Medien nicht hinreichend berücksichtigt worden, die für das komplexe Verständnis von Daumiers Gesamtwerk und dessen Datierung von Bedeutung sind.

Dank der interaktiven thematischen Suchfunktionen wird es nunmehr dem Benützer des Daumier Registers ermöglicht, diese Verbindungen herzustellen, die früher nur mit grösstem Zeitaufwand möglich waren. Darüber hinaus sind hier viele Informationen in allen drei Medien komplett und gleichzeitig abrufbar, was den Vergleich erleichtern sollte.

Von der Bearbeitungsseite her stellten sich uns bei den Gemälden ganz neue Probleme, die wir nach der Erfahrung mit den Lithographien und Holzschnitten nicht antizipieren konnten. Anzahlmässig stehen die Gemälde zwar in keiner Relation zu den über 5'000 Drucken, aber sie forderten uns auf andere Weise heraus.

Die Überprüfung der Provenienzen jedes einzelnen Bildes erwies sich oftmals als eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Viele Angaben lassen sich nicht zurückverfolgen oder resultieren in widersprüchlichen Informationen. Der zweite Weltkrieg hatte unter anderem auch eine weitgehende Änderung der Besitzverhältnisse von Kunstgegenständen bewirkt. Daumier Gemälde wurden von Kunsthistorikern, die im Sold des Naziregimes in Deutschland standen, von Frankreich in deutschen Privat- oder Staatsbesitz verschoben. Händler und Auktionshäuser in Paris, Zürich, London und New York stellten sich als Zwischenlager jüdischen Besitzes zur Verfügung mit dem Ergebnis, dass auch heute noch Fragen zwischen den Erben und den neuen Besitzern offen sind.

Das Washingtoner Abkommen half einige dieser Fälle aufzuklären, und das deutsche Lost Art Register stellte sich dabei als gute Quelle bei der Provenienzforschung heraus. In anderen Fällen standen wir weiteren Schwierigkeiten gegenüber, wenn es darum ging, Informationen über eine grössere Anzahl von Daumier Gemälden, die nach dem 2. Weltkrieg als "Kriegsbeute" nach Russland geschafft wurden, von den Museen in Moskau oder St. Petersburg zu erhalten.

Daumier Gemälde befinden sich heute zum grössten Teil im Besitz von Museen und öffentlichen Stiftungen. Kaufentscheidungen oder Schenkungen, die mehr als eine Kuratorengeneration zurückliegen, waren im Nachhinein mit den Nachfolgern nur mit Hindernissen zu diskutieren. Zu viele Elemente spielen verständlicherweise bei der Wiederaufnahme der Thematik über Provenienz oder Echtheit eines Gemäldes eine manchmal belastende Rolle. Diese Erfahrung war uns aus der Graphik unbekannt und bedurfte eines ausgeprägten Umdenkens unsererseits.

Es ist uns auch bei den Gemälden, wie bereits zuvor bei den Lithographien und Holzschnitten, ein Anliegen, die Vielzahl der Kopien und Fälschungen, die auf dem Markt erscheinen, zu identifizieren. Als engagierte Sammler empfanden wir solche Angebote immer als Affront gegen das Werk dieses hervorragenden Künstlers. Aus diesem Grund haben wir uns bemüht, sowohl hier im Daumier Register als auch auf der www.daumier.org website Fälschungen zu veröffentlichen und zu kommentieren. Wir glauben heute, nachdem dem Kunst-Interessenten diese Informationen zur Verfügung stehen, dass unser Beitrag die Distribution von Fälschungen zu einem gewissen Mass reduziert hat und hoffen, dass auch in Zukunft Käufer und Interessenten von diesen Veröffentlichungen und Warnungen profitieren werden.

Wir hoffen weiterhin, dass durch das Erscheinen dieses Werkverzeichnisses verloren geglaubte Bilder aufgrund von Hinweisen auffindbar sein werden. Darüber hinaus  wünschen wir uns auch hier, wie schon bei der Graphik, dass man uns auf eventuelle fehlerhafte Angaben aufmerksam macht. Jeder Hinweis ist uns willkommen, denn im Gegensatz zu gedruckten Werkverzeichnissen haben wir den unschätzbaren Vorteil, dass wir jederzeit Korrekturen vornehmen können.

Wie im Graphikteil wollten wir auch bei den Ölgemälden die bestehenden Informationen nicht nur neu überarbeiten, sondern darüberhinaus auch vertiefen. Im Gegensatz zur Druckgraphik sind bei den Gemälden üblicherweise Datierung, Provenienz, Technik, Ausstellungs-Historie und Literaturreferenzen von grösster Bedeutung und tragen dazu bei, dass ein Bild genau definiert werden kann. Wir waren jedoch der Ansicht, dass diese traditionellen Informationen nicht ausreichen und haben, wo immer möglich, Hintergrundinformationen zu den einzelnen Bildern hinzugefügt. Dieses Vorgehen hatten wir bereits bei den Lithographien und Holzschnitten praktiziert; daher lag es auf der Hand, auch bei den Ölgemälden die Thematik genauer zu untersuchen.

Unsere Nachforschungen für diesen Zweck basierten nicht nur auf der umfangreichen Daumier-Literatur und den bestehenden Werkverzeichnissen, sondern auch auf Auktionskatalogen, die wir bis zu Daumiers Lebzeiten zurückgehend konsultieren konnten. Auch das Internet bietet heute ungeahnte Möglichkeiten, Informationen anzusammeln und zu vergleichen. Nicht zuletzt sind wir auch den Museen und privaten Sammlern zu grossem Dank verpflichtet, die uns in grosszügiger Weise ihre Unterlagen zur Verfügung stellten. Durch ihre bereitwillige Hilfe wurde unsere Arbeit sehr erleichtert. Sehen Sie HIER eine Liste der teilnehmenden Sammler und Institutionen, denen wir zu tiefem Dank verpflichtet sind.

BEMERKUNGEN ZU DEN EINZELNEN SUCHFUNKTIONEN UND RUBRIKEN

BILDTITEL

Eine wichtige, jeodch nicht einfache, Suchfunktion ist der Titel eines Gemäldes. Hier sahen wir uns mit einer Schwierigkeit konfrontiert, die wir vom Graphikteil her nicht kannten: die meisten Ölgemälde sind nicht nur unter einem, sondern unter mehreren Titeln bekannt. Dabei kann nur in wenigen Fällen nachgewiesen werden, ob ein Titel tatsächlich von Daumier selber stammt.

Selbst in Daumiers „carnet de comptes“, welches in Auszügen von Cherpin und später von Laughton veröffentlicht wurde, sowie in diversen Briefen und Quittungen sind die Hinweise auf den Titel eines Bildes, welches Daumier an einen bestimmten Sammler oder Händler verkauft hatte, nicht immer klar. Dabei bediente er sich diverser Abkürzungen, wie „livré toile du théâtre à Monsieur M“. Ohne weitere detaillierte Recherchen ist es daher schwierig zu eruieren, welches der vielen Theaterbilder Daumier wohl gemeint hatte, oder wer der Empfänger gewesen sein könnte.

Man kann davon ausgehen, dass der ursprüngliche Titel eines Bildes in französischer Sprachen gegeben wurde, entweder von Daumier selber, oder von einem Kunsthändler oder Auktionator. Als Daumiers Bekanntheitsgrad über die Grenzen hinauswuchs, wurde eine steigende Anzahl von Bildern nach Deutschland, England/Schottland/Wales, und in die USA verkauft oder an Ausstellungen ausgeliehen. Entscheidend hierfür war eine Internationalisierung des sich immer aktiver darstellenden Kunsthandels, sodass Galerien und auch Auktionshäuser bereits um die Jahrhundertwende (1900) mit Filialen in Paris, Berlin, Frankfurt, Genf/Zürich oder London und später auch in New York/Boston aktiv wurden.

So ist es verständlich, dass viele Bildertitel in die jeweilige Landessprache übersetzt wurden. Ausserdem lag es auch im Ermessen eines Auktionators oder Kunsthändlers, einen Titel nach seinem Ermessen zu verändern. So wurde aus dem „Coup de Vent“ im Laufe von 40 Jahren „Les Fugitifs“. Politische Motivationen des Verkäufers oder Auktionators mögen bei der Titelbezeichnung eine zeitkonforme Rolle gespielt haben.

Bei einigen Ausstellungen im Ausland, wie beispielsweise bei Matthiesen in Berlin im Jahre 1926 fällt auf, dass die Titel eher freizügig in die deutsche Sprache übersetzt und in Grossbuchstaben im Katalog angegeben wurden, wobei der französische Originaltitel klein gedruckt erwähnt wird. Wenn ein Bild an dieser Verkaufsausstellung veräussert wurde, erhielt der Käufer eine deutschsprachige Quittung. Das selbe Bild wurde 20 Jahre später in einer Auktion in USA unter einem englischen Titel angeboten, wobei der deutsche und der französische Titel nicht mehr erwähnt wurden.

Es ist daher kaum verwunderlich, dass einige der Gemälde in diesem Verzeichnis bis zu zehn verschiedene Titel tragen. Wir hoffen, dass diese Titelvielfalt, die hier dokumentiert wird, die Suche nach einem bestimmten Werk vereinfachen wird.

DIE VERSCHIEDENEN MEDIEN

Ursprünglich hatten wir bei den Ölgemälden erwartet, dass bei den Angaben des benutzten Mediums eine einfache Auswahl zu Verfügung stünde. Tatsächlich gab es jedoch folgende Varianten:

•    Leinwand
•    Holzpaneel
•    Papier hinterlegt auf Leinwand oder Holz
•    Karton
•    Unbekanntes Medium

Bei unseren Recherchen und Vergleichen bestehender Werkkataloge sowie aller noch verfügbaren Auktionskataloge der letzten 150 Jahre fiel uns auf, dass oftmals die gleichen Bilder von verschiedenen Autoren unterschiedlich beschrieben wurden. Anfänglich standen wir unter dem Eindruck, dass es sich dabei um verschiedene Bilder gleichen Titels auf unterschiedlichem Träger handeln müsste. Beim genaueren Vergleich der Grössenmasse, der Provenienz sowie der Ausstellungs-Historie wurde jedoch klar, dass dies nicht der Fall war;  Händler, Aussteller oder Auktionshäuser hatten entweder die Bilder nicht richtig überprüft oder ungenau beschrieben. Teilweise wurden solche Fehler „weitergegeben“ und ohne Prüfung in ein neues Verzeichnis aufgenommen.

In einigen Fällen kam es jedoch auch vor, dass ein auf Papier gemaltes Ölgemälde im Zuge einer späteren Restauration auf Holz oder Leinwand neu hinterlegt wurde.

Wir haben uns bemüht, die Angaben richtig zu stellen und hoffen, dass uns dies zum grössten Teil auch gelungen ist. Allerdings gibt es eine Anzahl verloren gegangener Bilder, wo weder Photographien noch Hintergrundinformationen vorhanden sind. Hier mussten wir auf einen genauen Eintrag verzichten und diese Bilder mit „unbekanntem Medium“ registrieren.

Sollte ein Sammler oder ein Museum grössere Veränderungen an Leinwand, Papier oder Holz vorgenommen haben, so haben wir dies vermerkt, falls uns entsprechende Informationen übermittelt wurden. Wo immer möglich, beschreiben wir auch Etiketten, Nummerierungen, Zollvermerke, handschriftliche Vermerke etc. auf der Rahmen-Rückseite eines Bildes. Diese zusätzlichen Angaben sollen dazu beitragen, ein Bild eindeutiger zu identifizieren.

DIE DAUMIER WERKVERZEICHNISSE

Als Basis für diesen Werkkatalog benutzten wir die bestehenden „catalogues raisonnés“ von

Arsène Alexandre (1888)
Erich Klossowski  (1908, 1923)
Eduard Fuchs (1930)
Jean Adhémar (1954)
K.E. Maison (1967)
P. Georgel & G. Mandel, L. Barzini (1971, 1972)

Bei der Durchsicht dieser Werkverzeichnisse wurde bald offensichtlich, dass alle Autoren von den zeitlich vorhergehenden Werken einen grossen Teil der Informationen unverändert  übernommen hatten. Klossowski übernahm in seiner ursprünglichen Ausgabe von 1908 und in seiner verbesserten Ausgabe von 1923 Daten von A. Alexandre aus den Jahren 1888 und 1893. Fuchs wiederum übernahm Informationen von Klossowski und fügte in seinem Werkverzeichnis von 1930 eigene Erkenntnisse und Funde hinzu. Adhémars Werk ist nicht ein eigentliches Werkverzeichnis; er publizierte  neuere eigene Erkenntnisse, die vor allem die wichtigsten Werke des Meisters betreffen.

Eine Zäsur fand mit dem wohl detailliertesten Werkverzeichnis der neueren Zeit von K.E. Maison im Jahre 1967 statt. Es gelang ihm, sämtliche Angaben der drei früheren Veröffentlichungen von Klossowski, Fuchs und Adhémar detailliert zu überprüfen, wenn nötig zu korrigieren und mit seinen eigenen Forschungsergebnissen zu konsolidieren. Dadurch entstand ein in die Tiefe gehendes, umfassendes Verzeichnis, ohne dessen Einbezug die Arbeit des Daumier Registers schwerlich möglich gewesen wäre.

Georgel & Mandel (sowie in italienischer Sprache auch Barzini) fassten Maisons Erkenntnisse in einer Kurzversion zusammen und ergänzten einige wenige, für Maison noch unbekannte, Details in ihrer Veröffentlichung in den 1970er Jahren.

Der zeitlich neueste Beitrag wurde Ende der 1980er Jahre von Provost und Childs in ihrem „Honoré Daumier: A Thematic Guide to the Oeuvre“, Garland Press, 1989 veröffentlicht, dem eigentlichen Vorgänger des Daumier Registers. Provost benützte bereits frühe Computerprogramme, um Querverbindungen zwischen Gemälden und Lithographien aufzuzeigen sowie Suchfunktionen einzusetzen. Das Ergebnis ist jedoch ein für den Laien schwer verdaubares, technisches Verzeichnis, welches sich zwar zu Forschungszwecken eignet, aber für Sammler wenig Attraktivität bietet.

Alle oben erwähnten Werkverzeichnisse sind im Daumier Register abrufbar, sodass für jedes Bild die entsprechenden Verzeichnisnummern und Bildeinträge dieser Autoren verglichen werden können.

Neben den oben erwähnten Werkverzeichnissen, die als Basis für unsere Arbeit dienten, erhielten wir zusätzliche Informationen von zwei weiteren Quellen:
•    Ausstellungskataloge zwischen 1860 und 2010
•    Auktionskataloge zwischen 1888 und 2010.

Speziell die Auktionskataloge, in denen zum Teil komplette Daumier-Sammlungen aus Hinterlassenschaften auf den Markt kamen, erwiesen sich als Fundgrube bei der Zusammenstellung von Informationen. Sammlungen von Arosa, Bureau, Doria, um nur einige zu nennen, waren wertvolle und verlässliche Quellen über Provenienzen, geschichtlichen Hintergrund, Grössenangaben, Zuständen etc.

Wir hoffen, dass die Auflistung aller Werkverzeichnisse dem Benutzer die Suche nach einem bestimmten Werk erleichtern wird. Ausserdem sollen Querverbindungen zwischen Graphik und gemaltem Oeuvre einfacher herstellbar sein.

UNTERSCHRIFT UND MONOGRAMM

Während unserer Untersuchungen stellten wir anhand alter Auktions- und Ausstellungskataloge fest, dass Daumiers Unterschrift oder sein Monogramm in zeitlich weit auseinanderliegenden Publikationen oftmals unterschiedlich wiedergegeben wurde. Gelegentlich war in einem älteren Werkverzeichnis eine Unterschrift angegeben, die dann in einem neueren Auktionskatalog nicht mehr aufgeführt wurde. In anderen Fällen war oft von „Unterschrift“ die Rede, was eigentlich als „Monogramm“ hätte bezeichnet werden sollen.

Wir versuchten, alle diese Fälle aufzuführen. Der Grund für diese Differenzen kann darin liegen, dass bei Restaurationsarbeiten Monogramme oder Unterschriften übermalt wurden, da diese möglicherweise in einem dunkel gewordenen Bild nicht mehr sichtbar waren. Es mag etwas gewagt klingen, wenn wir behaupten, dass wir dem Thema „Unterschriften“ im Falle von Daumier eine eher untergeordnete Bedeutung zumessen.

Ein Werk Daumiers nur aufgrund der Originalität der Unterschrift zu beurteilen, scheint uns ein etwas riskantes Unternehmen zu sein. Wichtiger ist es, die wirklich bedeuten Aspekte eines Werkes wie Technik, Aussagekraft, Provenienzen, Literatur und Ausstellungen zu überprüfen, um über die Authentizität entscheiden zu können. Die Frage der Echtheit der Unterschrift würden wir auf der Liste der Entscheidungs-Parameter eher an die letzte Stelle setzen.

THEMENGRUPPEN

Eine der beliebtesten Suchfunktionen, vor allem bei Sammlern von Daumier Graphik, ist die Liste der „Themen“. Im Register der Lithographien und Holzschnitte kann der Benutzer anhand eines von ihm gewählten Themas -  beispielsweise des Themas „Anwälte“ - sofort sämtliche Anwaltsbilder in der Graphik abrufen. Durch die Kombination mehrerer Themen – z.B. „Anwälte“, „Hüte“ und „Brillen“ – kann noch viel präziser gesucht werden.

Es lag auf der Hand, auch bei den Ölgemälden die Suchfunktion der „Themen“ weiterhin anzubieten. Hier dient diese Funktion, die insgesamt nahezu 850 Themen-Einträge enthält, nicht nur zum Auffinden eines bestimmten Ölbildes, sondern zusätzlich zu Vergleichszwecken zwischen Graphik und Gemälden. Es ist also möglich, beim Thema „Anwälte“ alle Anwaltsbilder im Bereich der Druckgraphik mit jenen der Ölgemälde zu vergleichen.

DATIERUNG

Eine neue Rubrik im Werkverzeichnis der Ölgemälde ist das Entstehungsjahr.
Aus dieser Auflistung wird eine Erkenntnis offensichtlich, die für die meisten Ölbilder Daumiers gilt: eine verlässliche Datierung seines Oeuvres ist problematisch und wird von verschiedenen Autoren auf unterschiedliche Art behandelt. Ihre unterstützenden Argumente mögen oft ihre Berechtigung haben, werfen aber gleichzeitig neue Fragen auf. Wir schliessen uns der Meinung von Bruce Laughton an, der in Form eines mutigen, aber doch ungewöhnlich klärenden „Rundschlages“ bemerkte: „eine verlässliche Datierung der meisten Werke Daumiers ist von rein spekulativem Charakter“.

Ein Hinweis für die Festlegung eines Entstehungsdatums, welcher von früheren Autoren eher abgelehnt wird, ist die zeitliche Verknüpfung zwischen Daumiers graphischem und gemalten Oeuvre. Besonders Arsène Alexandre, Daumiers erster Biograph, aber später auch K.E. Maison lehnen diese Korrelation ab.

Jean Adhémar jedoch, ein gleichfalls bestens ausgewiesener Daumier Spezialist, wendet dieses Argument zur Datierung der Gemälde in seinem Verzeichnis an. Nachdem auch wir uns über Jahrzehnte mit beiden Medien beschäftigt haben, empfinden wir die zeitlichen Verknüpfungen als auffallend und bedeutend und sind der Meinung, dass sie bei der Datierung unbedingt in Betracht gezogen werden sollten. Entsprechende Kommentare wird man an den relevanten Stellen im Register finden.

Kunsthistorikern, die sich der mühsamen Aufgabe widmen wollen, einzelne Werke des Meisters verlässlich zu datieren, steht nunmehr ein Instrument zur Verfügung, mit welchem sie über einen Zeitraum von über hundert Jahre Vergleiche mit mehreren Experteneinschätzungen anstellen können.

In den wenigsten Fällen liegen ausgewiesene Referenzen vor, wie beispielsweise Verkaufsquittungen oder Briefe, die einem bestimmten Gemälde ein eindeutiges Datum zuordnen würden. In den meisten anderen Fällen haben wir uns entschlossen, statt genauer Daten nur Zeiträume als Entstehungszeitpunkt zu empfehlen. Wir stimmen in dieser Hinsicht mit Laughton überein und waren bemüht, eine „spekulative Datierung“ wenn irgend möglich zu vermeiden. Wichtiger erschien uns, die Technik und die Thematik eines Werks mit dem lithographischen Werk zu vergleichen und davon ausgehend eine Periode zu erkennen, in welcher ein bestimmtes Gemälde entstanden sein könnte.

Wir sind uns bewusst, dass diese Methode vom kunsthistorischen Gesichtspunkt her vielleicht als wenig als wissenschaftlich beurteilt wird. Uns tröstet aber der Gedanke, dass ausgewiesene Kunsthistoriker wie Fuchs, Adhémar, Rey, Maison, etc. zu derart unterschiedlichen Entstehungsdaten gelangten, dass man kaum von gesicherten Informationen ausgehen kann.

REFERENZEN

Diese Rubrik stellt für jedes Bild eine „Bibliographie“ dar. Die aufgeführten Publikationen mit Seitenangaben zeigen die Hinweise in der Literatur auf das entsprechende Bild.

Die Qualität der Auflistungen der Referenzen und Publikationen für jedes einzelne Bild ist stark abhängig vom Bekanntheitsgrad eines Gemäldes. So führt beispielsweise das bekannte und wichtige Bild „das dritte Klasse Abteil“ vom Metropolitan Museum in New York insgesamt 36 Referenzen an. Hierbei handelt es sich nur um die als bedeutend eingestuften Publikationen. In Sekundärpublikationen ist dieses Gemälde jedoch weit über hundertmal erwähnt worden.

Die Anzahl der Literatureinträge wurde teilweise auch von den Informationen beeinflusst, die Museen und private Sammler uns zur Verfügung stellten. Darüber hinaus überprüften wir unsere eigenen Literaturbestände nach relevanten Einträgen und fügten sie dieser Liste bei.

Andere Bilder, die weniger bedeutend sind, oder gar im Laufe zweier Weltkriege verloren gegangen sind, weisen naturgemäss nur eine geringe Zahl an Literaturhinweisen auf. In jedem Fall waren wir aber bemüht, soviel Informationen wie möglich zusammenzutragen, um zukünftige Nachforschungen zu einem bestimmten Bild, unabhängig von seiner Bedeutung, zu erleichtern.

Es versteht sich von selbst, dass bei der Bewertung oder Zuschreibung eines Bildes die Literaturhinweise von grösster Bedeutung sind. Gemälde, die in der Literatur nie erwähnt wurden, oder selten oder nie an internationalen Ausstellung gezeigt wurden, sollten mit der gebotener Vorsicht beurteilt werden. Andererseits liegt es auf der Hand, dass nicht die Menge der Literaturhinweise, sondern deren Qualität bei der Bestimmung der Echtheit eines Gemäldes eine wichtige Rolle spielt.

AUSSTELLUNGEN

An dieser Stelle sind alle Ausstellungen aufgelistet, in denen ein bestimmtes Gemälde gezeigt wurde. Die erste, bedeutende Daumier Ausstellung fand 1878 bei Durand-Ruel in Paris statt. Sie wurde kurz vor Daumiers Hinscheiden von seinen Freunden unter der Schirmherrschaft von Victor Hugo zusammengestellt. Daumiers wichtigste Werke, hauptsächlich aus Privatbesitz, wurden einem leider wenig interessierten Publikum präsentiert (der Termin war ungünstig gewählt).

Darauf folgten 1888 und 1901 zwei weitere Ausstellungen im Musée des Beaux-Arts. Die ersten ausländischen Ausstellungen fanden zwischen 1901 und 1910 in Glasgow, Wien, Dublin, Berlin, Dresden statt, gefolgt von Ausstellungen zwischen 1910 und 1920 in Petersburg, London, Bremen und Zürich.

Die erste wichtige ausländische Verkaufs-Ausstellung wurde von E. Fuchs in der Galerie Matthiesen im Jahre 1926 in Berlin organisiert. Sie enthielt einige Bilder der Fuchs Sammlung die, wie wir heute wissen, zum Teil von nicht ganz eindeutiger Authentizität waren. Nachdem Daumier Bilder in grösserem Umfang auch nach Amerika verkauft wurden, veranstaltete der neue Direktor des Museum of  Modern Art in New York, Alfred Barr, 1930 eine wichtige Corot-Daumier Ausstellung mit Leihgaben aus amerikanischem und europäischem Besitz.

Die letzte bedeutende und umfassende Ausstellung in der näheren Gegenwart war eine Wanderausstellung zwischen Paris, Ottawa und Washington in den Jahren 1999/2000. Hier wurde Gelegenheit geboten, die neuesten Erkenntnisse der Daumier Forschung anhand einer vorzüglichen Auswahl von Exponaten in Kombination mit bemerkswerten Beiträgen zu erfahren; eine Qualitätsausstellung, wie sie wohl kaum in Kürze wieder zu sehen sein wird.

Das Jahr 2008 war ein Anlass, Daumiers 200. Geburtstag zu feiern. Insgesamt wurden in Europa, den USA und Australien ca. 80 Daumier Ausstellungen veranstaltet; ein Zeichen für das grosse und stetig wachsen Interesse an den Arbeiten des Meisters. Eine Liste sämtlicher uns bisher bekannten 1100 Ausstellungen zwischen 1849 und 2010 findet man unter www.daumier.org/index.php?id=21 .

Ausstellungsreferenzen stehen, ähnlich wie Literaturreferenzen, in direkter Verbindung mit der Bewertung eines Gemäldes. Ist ein Bild nie ausgestellt oder in der Literatur erwähnt worden, wäre eine genaue Überprüfung der Authentizität empfehlenswert. Erfahrungsgemäss ist die Akzeptanz eines Bildes zu einer bedeutenden Ausstellung in der Regel mit intensiven Vorbereitungsarbeiten seitens des verantwortlichen Kurators eines Museums verbunden. Es gibt mehrere Beispiele (wie Philadelphia 1937), in denen im Zweifelsfall ein Gemälde von der Ausstellung zurückgezogen wurde, obwohl der Katalog bereits gedruckt war.

Trotzdem ist ein ausgestelltes Bild nicht immer ein echtes Bild, und umgekehrt ist ein nie ausgestelltes Bild nicht zwangsläufig eine Fälschung.

PROVENIENZEN

Wie bereits erwähnt, bietet das Daumier Register die Suchfunktion „Provenienzen“ zur erleichterten Identifizierung eines Bildes an. Damit lässt sich für jedes Ölbild der Besitzernachweis feststellen, soweit uns die Nachforschungen dies erlaubten. Im Idealfall bedeutet dies, dass man den Weg eines Bildes von dessen Entstehung bis in die Gegenwart nachverfolgen kann. Leider trifft dies nicht für alle Werke zu, da oftmals in der Besitzerhistorie Lücken bestehen.  

Die Zusammenstellung der Provenienzliste war eine der schwierigeren Aufgaben, denen wir uns gegenüber gestellt sahen. Angaben aus der Literatur oder aus Auktionskatalogen sind häufig unrichtig oder fehlerhaft. Wir hoffen, dass es uns dennoch gelungen ist, die meisten Besitzer ausfindig zu machen; andererseits liegt es in der Natur der Dinge, dass bei Bildern, die als verschollen gelten, Provenienzangaben nur unvollständig sein können.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir darauf hinweisen, dass zwar eine Aufzählung von Vorbesitzern eine gewisse Sicherheit zum Echtheitsnachweis eines Bildes beisteuern kann, dieser Faktor aber wiederum nur einen Teil der Gesamt-Authentifizierung eines Gemäldes ausmacht. Es existieren genügend Beispiele, in denen eine Fuchs-Provenienz nicht unbedingt für die Echtheit eines Bildes bürgt. Eduard Fuchs war zwar ein ausgezeichneter Kenner von Daumiers Werk in den Jahren um 1920-1940 und hatte eine umfangreiche eigene Daumier Sammlung von circa 27 Werken; dennoch war seine Einschätzung gewisser Gemälde nach dem zweiten Weltkrieg umstritten.

Andere Sammler, wie Dr. Georges Viau (und sein Sohn), die zu Daumiers Zeiten durchaus als Kenner der Pariser Kunstszene bekannt waren und auch selber eine grössere Anzahl von Gemälden Daumiers ihr Eigen nannten (insgesamt ca. 16 Bilder), gelten dennoch nicht als einwandfreie Referenz. Dr. Viau war dafür bekannt, dass er an seinen Daumier Bildern gelegentlich „Verbesserungen“ vornahm, sodass Gemälde aus seinem Besitz heute einer genauen Überprüfung bedürfen.

Die Sammlung Jules Braut, die aus insgesamt sechs Gemälde von Daumier bestand, ist ebenfalls mit Vorsicht anzusehen, da alle diese Bilder in die Kategorie „überprüfenswert“ fallen.

Einige Privatsammler haben aus verständlichen Gründen auf Anonymität bestanden. In diesen Fällen haben wir die entsprechende Sammlung mit einer Schlüsselnummer versehen, die nur für uns von Bedeutung ist. Sollten Kunsthistoriker eine Kontaktaufnahme mit dem Besitzer eines solchen Bildes wünschen, so stehen wir gerne, allerdings ohne Verpflichtung, zur Verfügung, einen Kontakt herzustellen. Bei anderen Privatsammlungen kennen auch wir nicht die Namen der Besitzer und haben ihre Gemälde auch nicht persönlich sehen können.
 
Wie wir bereits oben erwähnten, tragen das Washingtoner Abkommen sowie das deutsche Amt für gestohlenen Kunstbesitz aus der Kriegszeit dazu bei, Unklarheiten in gewissen Provenienzen aufzuklären; somit ist es uns möglich, jederzeit Korrekturen an unserer Provenienzliste vornehmen zu können. Wir haben Veränderungen dieser Art in den letzten Jahren bereits mehrmals durchführen können, und wir erwarten und hoffen, dass eines Tages auf diesem Weg auch gestohlene Werke wieder aufgefunden werden können.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Was sich im Graphik-Werkverzeichnis als erfolgreiche und unerlässliche Informationsquelle erwiesen hat, ist unserer Ansicht nach für die Ölgemälde von genauso grosser Bedeutung: die thematische Erfassung und Bewertung jedes einzelnen Werkes, die Beziehung gewisser Ölbilder untereinander und die thematische Verwandtschaft zu Werken aus der Graphik. Darüberhinaus haben wir Themengruppen zusammengefasst und historische sowie inhaltliche Hintergründe zu erklären versucht. Alle diese Informationen, die über das in einem Catalogue Raisonné übliche Erfassen von technischen Details hinausgehen, haben wir in der Rubrik „Hintergrundinformationen“ beschrieben.

Diese aufwendige Vergleichsarbeit war nur möglich, indem wir uns eingehend mit der bestehenden Literatur beschäftigten. Die Bibliographie sämtlicher Werke, die uns halfen, die Hintergrundinformation für jedes einzelne Bild zu erarbeiten, ist HIER aufgelistet. Sie besteht aus über 800 Titeln. Eine Gesamt-Bibliographie über Daumiers Leben und Werk ist unter http://www.daumier.org/index.php?id=23 zu sehen. Diese enthält ca. 2'000 Einträge.

Die umfangreiche Literatur über Daumiers Leben und Werk ist, aufgrund der grossen Anzahl der Artikel und Bücher, oftmals repetitiv. Neuere Forschungsergebnisse sind eher selten oder nur von limitiertem Erkenntnisgrad. Wir sahen unsere Aufgabe in der Verarbeitung bedeutender Texte und Erkenntnisse zu den einzelnen Bildern, um sie dem Leser zu vermitteln und hoffen, dass es uns gelungen ist, die zum Teil über hundert Jahre zeitlich auseinander liegenden verschiedenen Meinungen vergleichend zu präsentieren.

Erfahrungen, Beobachtungen sowie Bewertungen haben sich im Laufe einiger Generationen verändert und erlauben nunmehr, einen faszinierenden Rückblick über die Einschätzung eines Werkes zu unterschiedlichen Zeitepochen.

Als engagierte Daumier-Sammler konnten wir verständlicherweise nicht darauf verzichten, unsere eigene Meinung den Kommentaren ausgewiesener Kunsthistoriker hinzuzufügen. Diese stimmt in einigen Punkten mit den Ansichten der Spezialisten überein, in anderen gehen die Meinungen auseinander. Wir hoffen auf die verständnisvolle Reaktion der Fachwelt und sehen jedem Kommentar gerne entgegen. Sollten wir Fehler gemacht haben - und wir sind sicher, dass wir, wie auch unsere Vorgänger, bei der Vielzahl der Daten neue Fehler kreiert haben - so sind wir jederzeit in der Lage, diese auch zu korrigieren. Wir leben in einer Welt des Internet, in welcher Korrekturen immer möglich sind -  „Il faut être de son temps“.

Das Daumier Register sieht unter anderem seine Aufgabe besonders darin, Imitationen, Kopien und offensichtliche Fälschungen aufzuspüren. Bereits zu Daumiers Lebzeiten sind einige seiner Gemälde mehrfach kopiert worden. Dies bedeutete nicht unbedingt, dass diese Arbeiten auch anschliessend als Originale am Markt angeboten wurden. Oftmals ging es einem Künstler allein darum, zu experimentieren und Erfahrung zu sammeln.

Nachdem Daumier Bilder im Laufe der Jahre immer mehr an Wert gewannen, konnten einige dieser Künstler, aber auch Händler, nicht widerstehen, ein Monogramm der Kopie hinzuzufügen und das Bild anschliessend am Markt als Original zu verkaufen. Noch heute gelangen regelmässig derartige Imitationen, oftmals mit gefälschten Expertisen versehen, in den Handel.

Im Rahmen unserer Arbeiten werden wir, ähnlich wie früher auch Maison, gelegentlich mit derartigen Fälschungen konfrontiert, mit der Bitte um Erstellung einer Expertise. In fast allen Fällen handelt es sich um Kopien nach einem Gemälde oder in der Art von Daumier, die kaum von der Hand des Meisters stammen. Dazu gehören fallweise auch Bilder, die von früheren Experten, vor allem von E. Fuchs als authentisch akzeptiert wurden. Die Informationsqualität hat sich aber seit Fuchs im Jahre 1930 weitgehend verändert, sodass es heute einfacher ist, eine Bewertung zur Frage Original oder Fälschung zu erbringen als noch vor 80 Jahren.

ÄHNLICHKEITEN

Eine interessante Neuerung im Daumier Register findet der Benutzer in der Liste der „Ähnlichkeiten“. Wie bereits erwähnt, sind wir der Meinung, dass Daumiers graphisches Werk mit seiner Malerei untrennbar verbunden ist. Ob eine zeitliche Verbindung eines jeden Gemäldes mit einer Graphik tatsächlich zu etablieren ist, bleibt dahingestellt oder ist kaum verlässlich nachweisbar. Anhand unserer Liste kann der Leser nunmehr jedes Gemälde mit ähnlichen Lithographien oder Holzschnitten vergleichen.

In einigen Fällen dürfte die Schaffensperiode bei beiden Medien die gleiche sein, in anderen können Jahre dazwischenliegen. So geschah es gelegentlich, dass Daumier ein Thema, welches er beispielsweise im Jahre 1850 im Charivari als Lithographie publiziert hatte, zehn Jahre später in leicht abgeänderter Form als Zeichnung oder Gemälde benutzte. Die Gründe für den Zeitabstand sind uns heute nur in den wenigsten Fällen bekannt, dürften aber eine intensivere Forschungsarbeit in der Zukunft rechtfertigen.

Der Benutzer der „Ähnlichkeitsliste“ wird Zusammenhänge feststellen, die bisher kaum derart eindeutig erkennbar waren. Hier sei darauf hingewiesen, dass die „Ähnlichkeiten“ naturgemäss nur subjektiver Natur sein können. Neben unseren eigenen “Ähnlichkeiten“ haben wir auch solche in die Liste aufgenommen, die von anderen Autoren in der Vergangenheit erkannt wurden. Diese werden in der Regel im „Hintergrundteil“ separat erwähnt und kommentiert.

Es ist faszinierend festzustellen, dass Daumier ein bestimmtes Thema in Form einer Lithographie als Karikatur dargestellt hat, dasselbe Thema jedoch ebenfalls als ‚ernsthafte’ Version in Öl gemalt hat. Dies trifft besonders für die Kinder- und Frauendarstellungen zu, die sich in der Regel in der Graphik als unattraktive, gar hässliche Menschen zeigen, dagegen in Daumiers gemaltem Oeuvre charaktervoll, liebenswert, oftmals gar schön erscheinen.

Schliesslich dürfen wir nicht unerwähnt lassen, dass im Anschluss an dieses Werkverzeichnis für Daumiers Ölgemälde in absehbarer Zeit auch eine Registrierung sämtlicher Zeichnungen folgen wird. Da wir bis zur Fertigstellung dem Leser aber auch die Ähnlichkeiten zwischen Gemälden und Zeichnungen vorführen wollen, haben wir als Zwischenlösung Maisons Registernummern übernommen. Diese sind im Text beispielsweise mit „D 100“ bezeichnet und erscheinen in der Ähnlichkeitsliste als „100“ (Zeichnung nach Maison) und entsprechen der Nummerierung des ausgezeichneten Werkkatalogs von K.E. Maison über Daumiers Zeichnungen und Aquarelle (Honoré Daumier, Catalogue raisonné of the paintings, watercolours and drawings, 2 Bände, Thames and Hudson London 1968).

Nachdem die Gemälde in einigen wenigen Fällen auch in direkter Verbindung mit den nach Daumier geschaffenen Skulpturen stehen, haben wir auch diese in die „Ähnlichkeitsliste“ aufgenommen. Hier findet man die Rubrik „Skulptur (nach Wasserman)”, was bedeutet, dass wir als Referenz die Nummerierung des hervorragenden  Kataloges von Frau Wasserman aus dem Jahre 1969 zu Rate gezogen haben („Daumier Sculpture, A critical and comparative study“, assisted by Lukach and Beale, foreword by Mongan. Harvard 1969 [exhib. Fogg] Cambridge, USA 1969). Auch in diesem Fall handelt es sich nur um eine vorübergehende Lösung, bis wir in der Lage sind, auch die Bronze-Skulpturen (nach Daumier) in das Daumier Register aufzunehmen.

GRÖSSENANGABEN

Eine weitere Rubrik des Registers befasst sich mit den Grössenangaben eines Bildes. Normalerweise könnte man annehmen, dass dieser Punkt kaum im Detail erwähnenswert ist. Wir haben aber fest gestellt, dass die Grössenangaben zum Teil bemerkenswerte Unterschiede aufweisen. Wie in Europa üblich, haben wir Höhe mal Breite gemessen. In gewissen Ausstellungskatalogen erfolgten dagegen die Messungen Breite mal Höhe.

Angaben in Auktionskatalogen des 19. Jahrhunderts und bis zum zweiten Weltkrieg waren häufig ungenau. Einige der Häuser übernahmen anscheinend die Masse direkt vom Einlieferer, ohne die Angaben selbst zu überprüfen. Die Qualität der Messungen durch Auktionshäuser verbesserte sich in den letzten 40 Jahren bemerkenswert, sodass man heute davon ausgehen kann, dass diese Angaben verlässlich sind.

Ausstellungskataloge wie Matthiesen im Jahre 1926, Werkverzeichnisse wie Fuchs im 1930 oder Klossowski gaben teilweise die Masse der Leinwand an, dann wieder die Masse des Rahmens. Die Unterschiede sind zum Teil eklatant und führen zu zeitraubenden Missverständnissen.

Der Überblick, den wir in der Rubrik der Grössenangaben anbieten, zeigt alle Messungen an, die wir in der Literatur für jedes Bild gefunden haben. Die Liste zeigt neben jeder Massangabe die Quelle und das Jahr an, aus dem die Angaben stammen. Somit sollte es möglich sein, sich an ein realistisches Mass heranzutasten.

ABSCHLIESSEND

Bekannterweise enthält jedes Werkverzeichnis, sei es von Fuchs, Klossowski, Maison oder allen Anderen, gelegentliche Fehler, auf die wir hinweisen. Natürlich sind auch wir nicht vor Irrtümern geschützt, und wir freuen uns schon jetzt, wenn wir Hinweise auf Fehler erhalten, die wir, im Gegensatz zu gedruckten Werken, jederzeit korrigieren können.

Neu und benutzerfreundlicher als die vorangegangenen Werke in Buchform ist die Präsentation im Internet, die es dem Benützer erlaubt, durch Suchfunktionen alle Daten abzurufen, die er sich zuvor in mühsamer Arbeit aus der Literatur erarbeiten musste.

Wir wünschen allen Daumier Freunden viel Freude mit dem neuen Daumier Register für Ölgemälde und stehen für Kommentare, Verbesserungsvorschläge und Kritiken gerne zur Verfügung.


Lilian & Dieter Noack
Februar 2011

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